Die Macherin

▶ Switch to English Page


Ein Dokumentarfilm von Susanne und Peter Scheiner, 2011-2025
Länge: 6.5 Minuten, Sprache: Deutsch

Inhalt

Nach dem Tod verliert der Mensch die Macht über seinen Nachlass oder sein Vermächtnis, sofern er zu Lebzeiten keine testamentarischen Vorkehrungen getroffen hat. Was den Nachlass betrifft, wird dieser in den Augen der meisten Menschen mit konkreten Gegenständen aus dem Besitz des Verstorbenen verbunden, die an Familienangehörige, Freunde etc. weitergegeben werden sollen. Weniger im Fokus steht, dass der Tote selbst darin auch Gedanken und Aussagen der Nachwelt hinterlassen möchte. Und dies beginnt bereits bei der Abdankung. Wer immer im Nachruf das Leben des Verstorbenen beschreibt, versucht, seine Gedanken nachzuvollziehen, zu deuten und in Erinnerung zu rufen. Allerdings kann es vorkommen, dass dabei heuchlerische Nachrufe und Kommentare im Zentrum stehen. Die Erinnerung wird oft bewusst und vielleicht auch nicht gewollt instrumentalisiert.

Der Film „Die Macherin“ greift das Thema der Erinnerungskultur auf. Es ist ein Versuch der Protagonisten, selbst zu bestimmen – und möglichst wenig den Lebenden zu überlassen. Durch ein Vermächtnis sollen nicht nur materielle Werte, sondern auch die persönliche Haltung, Gedanken und Aussagen an nachfolgende Generationen weitergegeben werden.

Anhand spontan aufgenommener Filmsequenzen des Ehepaars Margrit und Theo Junker wird gezeigt, wie Margrit eine bewusste Gestaltung der Abdankung vorbereitet. Sie möchte auf Ereignisse hinweisen, die mit ganz bestimmten Musikstücken, die sie liebt, in Beziehung stehen. Wer auch immer die Abdankung der Frau oder des Mannes leiten wird – sei es ein Priester oder auch die eigene Tochter –, wird sich wohl daran halten müssen. Margrit, wie sie selbst sagt, ist eine Macherin, und sie will dafür sorgen, dass die erwähnte Musik bei der Abdankung gespielt wird. Theo Junker, inzwischen 98 Jahre alt, ist ein sehr kreativer Mensch; seine Bilder sowie auch gereimte Texte sind ebenfalls Teil des Films. Mehr sei nicht verraten.

Ironischerweise leben die Protagonisten länger als die CD-Abspielgeräte, auf denen sie ihren musikalischen Nachlass hinterlegt haben. Der Film wurde 2011 gedreht, mit einem Update im Jahr 2025. Sollten die Nachkommen diesen Willen eines Tages erfüllen wollen, werden sie das passende Abspielgerät vermutlich auf eBay suchen müssen.

Festivals