ENDE DER ERINNERUNG?
Die Kontakstelle für Überlebende des Holocaust in der Schweiz löst sich auf

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Ein Dokumentarfilm von Peter Scheiner

Ausgangslage

Wie, es gab einen Verein von Holocaust-Überlebenden in der Schweiz? Und dieser löste sich auf? Weshalb löste er sich auf und was sagt dies aus über unser Verhältnis zur Geschichte? Was sagt dies aus über die Schweiz? Ist die Vergangenheitsbewältigung hierzulande etwa abgeschlossen, die Aufarbeitung zu Ende?

Es sind Fragen wie diese, die Peter Scheiner mit dem einstündigen Dokumentarfilm ENDE DER ERINNERUNG? provoziert.

Die Schweiz übernimmt 2017 den Vorsitz der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA), wodurch der Film eine besondere Aktualität erhält.

Zum Inhalt des Films

2011, zum 66. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, wurde unter dem Patronat von Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss in Bern die Auflösung der «Kontaktstelle für Überlebende des Holocaust in der Schweiz», eines offiziell eingetragenen Vereins, festlich begangen. Damit wird die Geschichte aber nicht ad acta gelegt: Die Zeremonie bildet den Rahmen des Films, ihr gegen-über gestellt sind Berichte von Mitgliedern der «Kontaktstelle» über ihre schrecklichen Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg sowie Szenen aus dem Vereinsalltag und Momente weiterer Zusammenkünfte der Überlebenden. Auch steuert eine Ausstellung des Malers Gerhard Richter, der sich gezielt mit den Schicksalen einiger Überlebender aus der Kontaktgruppe auseinandergesetzt hat, einen Erzählstrang bei.

1995, sehr spät, 50 Jahre nach Kriegsende, haben sich Überlebende des Holocaust in der «Kontaktstelle» zusammengefunden. Zuvorderst stand die Einbindung in eine Gemeinschaft von Schicksalsgenossen und das Finden einer Sprache für das Erlebte. Erst nach und nach begannen einzelne Mitglieder in der Öffentlichkeit, in Schulen oder an Universitäten davon zu erzählen. Der Film zeigt denn auch Schüler und Studenten, die gebannt den Schilderungen dieser Zeitzeugen lauschen. Sie gehören zu letzten Überlebenden, die noch zu Wort kommen können. Damals, zur Zeit des Nationalsozialismus, waren sie jünger als ihre jetzigen Zuhörer. Ihre Geschichten sollen als Mahnmal in die Zukunft wirken.

Mit einer heute 15 Bücher umfassenden Publikation in Form eines Sammel-bands, der den Titel trägt «Mit meiner Vergangenheit lebe ich» kam es schliesslich auch zu schriftlichen Zeugnissen. Für diese erschütternden Berichte steuerte der Künstler Gerhard Richter, der sich lange schon der deutschen Vergangenheit widmet, die Buchcovers bei und ermöglichte 2016 eine Herausgabe im Suhrkamp-Verlag Berlin. Die Buchcovers sind Teile seines vierteiligen Werks «Birkenau», in denen er authentische Fotos aus einem Konzentrationslager zu grossen abstrakten Bildtafeln verarbeitete.

Die Buchpremiere des Sammelbands fand anlässlich der Ausstellung von Richters Birkenau-Bildern im Frieder Burda-Museum in Baden-Baden im Frühjahr 2016 statt. Der Kurator verwies auf den «denk-mal»-Charakter des Gemeinschaftswerks. Es geht um die existenzielle Frage: Wie kann das Unfassbare des Holocaust heute kommuniziert werden? Richters Birkenau-Bilder und die Bücher der Holocaustüberlebenden stehen beide für den Versuch einer «Vergegenwärtigung» und bilden einen Widerpart zur seiner-zeitigen Veranstaltung in Bern, als die «Kontaktstelle» der Überlebenden feierlich aufgelöst wurde.

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